Sonntag, 15. April 2007

FUN part

Ich glaub’ ich lieg’ im Zoo

Vor einigen Wochen lag ich mit einer Grippe im Bett und hatte zuviel Zeit nachzudenken und meine Wohnung zu betrachten. Bestandteil meiner Wohnung sind neben der üblichen Austattung mit halb funktionsfähigen Möbeln, Geräten, Kleidern und Teppichen ein ganz großartiges Kaninchen mit -hin und wieder- Vampirzähnen und eine scheints psychisch erkrankte Stubenfliege sowie eine nicht genau bezifferbare Anzahl Fruchtfliegen.

Die sicherlich im verborgenen wirkenden und webenden Spinnen muß ich bis heute leider verdrängen.

So lag ich nun auf dem Krankenlager und studierte Tiere. Der bislang über zwei Wochen andauernde Aufenthalt der Stubenfliege störte mich insofern nicht, als sie nach zwei Tagen aufgegeben hatte MICH zu belästigen und stattdessen eine unerklärliche Vorliebe für weiße Oberflachen entwickelt hatte. Ihre langandauernde Anwesenheit beruhigte mich auch hinsichtlich der unsichtbar anwesend vermuteten Spinnen. Ich ließ also die Klatsche an ihrem Platz und schaute einfach zu. Irgendwann stellte ich fest, daß ich zwar wegen unterlassener Tötung keine Fliege an der Klatsche hatte, die Fliege jedoch offenbar einen an der Klatsche hatte.

Der Tierbeobachtung bereits verfallen, hatte ich begonnen, die Dritten Programme durchzuzappen und bei Tierdokumentationen hängenzubleiben und sie mir anzusehen.

Zwischendurch warf ich regelmäßige und bald auch wohlbegründete Blicke auf die Leiter meines Hochbettes UNTER dem ich schlafe. Darauf lief die Fliege ohne Ablass rauf und runter, wieder rauf und wieder runter. Mindestens vier Stunden lang. Ich schloß, wohlgemerkt fiebrig, daraus, daß die Fliege sponn. Gut, dachte ich, die Fliege spinnt; immerhin spinnt hier keine Spinne, sondern eine Fliege- dann kann man sie ja behalten.

Diese Geschichte erzählte ich kürzlich einem alten Bekannten. Dieser hatte seinerseits eine Tiergeschichte zu erzählen. Und zwar hatte sich eine Meise in seine Wohnung verirrt. Wie ich hoffe wahrheitsgemäß, hat er, während der Meiseeinfangversuche und während des Meisenherausbeförderns das Lied : „Es tut mir leid kleiner Meisenmann, daß du leider hier nicht bleiben kannst“ von Helge Schneider gesungen. Ich hoffe, wie gesagt, inständig, daß das stimmt.

Desweiteren benimmt sich mein Kaninchen seltsam. Gehe ich aufs Klo, kommt er mir nach und wenn ich die Klotür wieder öffne sitzt er, knapp außerhalb des Wendekreises der Tür, die er zuvor bereits mehrfach um die Ohren gehauen bekommen hat, guckt mich doof an und fängt dann an sich zu schuetteln. Warum? Er schüttelt sich sonst nicht wie ein Hund, der im Regen war. Verwunderlich. Mein Schluß: Tiere sind keine Menschen.

Damit der Text nicht zu kurz wird, möchte ich zusammenhanglos noch anfügen, daß meine Küche (in der sich der Hase vor der Klotür aufhält) fast nie aufgeräumt ist. Mein Freund hat dazu eine wunderbare Version von „In the Ghetto“ erfunden. „An einem grauen und kalten Sonntagmorgen sagte Petra zu mir kannst du mir n Kaffee besorgen - In der Küche. Ich hab nicht aufgeräumt – in der Küche. Das hab ich hab ich versäumt – in der Küche!“

Hoops, da fällt mir ja doch noch was ein zu dem Kaninchen, um das es hier ja hauptsächlich geht. Es hat viele Spitznamen, die viel über sein Wesen verraten. Es heißt unter anderem „Vollstrecker“. Das klingt zunächst brutal, hat jedoch einen extrem harmlosen Hintergrund.

Das Tier kann sich doppelt so lang machen wie kurz. Ganz kurz ist er fast eine kleine Kugel, etwa wie eine zum Kegeln. Macht er sich richtig lang, kommt er aber auf dreißig zentimeter Länge von Nase bis Fußende. Das ist der Fall, wenn er sich VOLL streckt. Daher der Name. Ich hoffe, die Rechtschreibrefornm unternimmt nicht einmal den Versuch, dieses Wortspiel zu zerstören.

In diesem Zusammenang fällt mir dann auch noch unsere Hausverwaltung ein. Leute in deren Auftrag haben mal ein Loch in meine Wand gemacht, unterm Schreibtisch, auf der Suche nach einer Wasserleitung, die leck hätte sein können , aber nie gefunden wurde und das Lecksein schließlich von allein aufgab .Immernoch habe ich ein Loch in der Wand. Da DAS TIER gerne nahe des Lochs unterm Schreibtisch sitzt und dort aufgrund seiner Zahnfehlstellung, die es zum hin und wieder zum Vampirkaninchen macht (bis der Tiezahnarzt die nach vorne wachsenden untreren Scehneidezähe wieder abknippst) gottseidank keine großen Kabelzerfressschäden anrichten kann, kam ich sogar auf die Idee, das Loch weiter zu vergrößern, so daß der kleine Hase darin sitzen könnte und , die Pfoten auf der Gründerzeitfußleiste abgestütztend, keck aus der Wand gucken könnte. DER HASE IN DER WAND ist seither mein größter Wunschtraum.

Vielleicht mache ich es noch wahr – allerdings könnte es sein, daß das Haus einstürzt, wenn ich es versuche, und an sowas will ich nicht Schuld sein und unter drei weiteren Stockwerken möchte ich überdies nicht begraben sein. Soviel zur Heimtierhaltung.

Keine Kommentare: